1. European Women’s Outdoor Summit

Kleine Anmerkung vorweg: Die Erinnerungen an den Summit sind noch total frisch und mein Kopf ist, aufgrund all der Infos und Erlebnisse, kurz vor dem Explodieren. Wenn ich also verwirrt klinge und in meinen Gedanken springe, dann seht es mir nach.

Erstmal fix die technischen Daten dieser Veranstaltung denn ich befürchte, dass es nur 3 bis 4 1/2 Minuten dauern wird, bis es hier aufgrund all der Erinnerungen emotional wird.

  • Name: 1. European Women’s Outdoor Summit
  • Ort: Flims Laax Falera, Schweiz
  • Zeitraum: 27. – 29.10.2017
  • 53 Teilnehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
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Das Gelbe Haus – Veranstaltungsort (Foto: Andrea Gaspar-Klein)

Na dann mal los: Es ist jetzt knapp über eine Woche her, dass beim 1. European Women’s Outdoor Summit ca. 50 Frauen aufeinander trafen. Jede für sich ganz besonders, ganz toll, ganz herzlich, offen, mit spannenden Geschichten und einem Bezug zur Outdoor-Branche. Redakteurinnen, Filmemacherinnen, Profisportlerinnen und Abenteurerinnen.

Hannah und Anna luden mich aufgrund meines Gastartikels auf sea you soon ein. Die beiden haben Bloomers gegründet und den EWOS erdacht, organisiert und durchgeführt. Was das für ein Haufen Arbeit gewesen sein muss… Die Idee ist das Eine. Das Machen etwas ganz Anderes. Ihnen ist es wichtig, „dass Frauen in den Outdoorsportarten sichtbarer werden, dass sie als Vorbilder für junge Mädchen und andere Frauen zur Geltung kommen, dass sie von der Industrie ernst genommen werden, dass der Einstieg für Frauen in Outdoorsportarten erleichtert wird.“ (Zitat aus der Einladung) Genau aus diesem Grund trafen wir uns alle.

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Anna und Hannah (Foto: Andrea Gaspar-Klein)

Wir wollten erst einmal Verstehen. Verstehen wo wir Frauen uns im Outdoorsport und in den Medien befinden und wie wir wahrgenommen werden. Ich denke, dass haben wir, dank der fundierten Präsentationen, dann auch relativ schnell. Dann ging es darum wo wir hin wollen und wie wir das erreichen können. Ich möchte jetzt gar nicht, jeden Programmpunkt einzeln erörtern. Jeder dieser Punkte hätte einen eigenen Artikel verdient.

Mir geht es darum euch zu erzählen, was mich am meisten berührt hat. Das waren die Teilnehmerinnen und ihre Geschichten. Vor allem aber der Umgang miteinander. Da gab es z.B. Ana, die in 60 Tagen alleine die Alpen von Ost nach West überquerte. Eine Suche nach dem persönlichen Gleichgewicht, nach Ruhe und Klarheit. Oder Jaqueline die auf ihrem Weg von Füssen nach Meran rund 250 km Strecke und 25.000 Höhenmeter zurücklegte. Sie hat eine Unterschenkelamputation und möchte anderen Menschen Mut machen. Ich traf Sandra, die Shades of Winter kreiert hat und großartige Sportfilme produziert. Maria, die Frau hinter dem S*pin Skate Magazine. Dutzende anderer Frauen die Communities und/oder Firmen wie Munich Mountain Girls und LET’SUP gegründet haben, die Blogs schreiben oder eher abseits der Öffentlichkeit ihren wertvollen Beitrag leisten. Oh man, ich werde ihnen allen mit diesem Artikel gar nicht gerecht. Allerdings ist dies ja nun auch nicht die einzige Quelle. Viel Spaß beim Suchen und noch mehr Spaß beim Finden!

Ich habe bisher zu den Menschen gehört die keinen Blog schreiben, keine Firma oder Community gegründet haben. Auf meine Abenteuer gehe ich alleine und dokumentiere sie auch kaum. Weshalb ich mich immer noch riesig freue, dass ich gleich so sehr von meinem ersten veröffentlichten Artikel profitiert habe. Als mich Anna und Hannah einluden war ich sofort von der Thematik begeistert, aber auch etwas skeptisch. Denn ich fühle mich bei dem Gedanken an viele Menschen auf einem Haufen erst einmal unbehaglich, besonders wenn sie fremd sind. Das hat viel damit zu tun, wie man Menschen mit einem Handicap begegnet. Man wird unterschätzt, bevormundet, dumm angequatscht, wie ein Hund am Kopf getätschelt oder muss sich dafür rechtfertigen, dass man ganz alltägliche Dinge alleine schafft. Sich durchzusetzen kostet Kraft und Nerven. Mit zunehmendem Alter habe ich darauf immer weniger Lust.

Und wisst ihr was an dem Wochenende passiert ist? Nichts davon. Gar nichts. Ich konnte mich einfach locker machen und die Tage genießen. Vor allem aber gefiel mir die gleiche Augenhöhe. Daran zu denken rührt mich sehr und ich frage mich seit Tagen, warum es in dieser Gruppe so gut funktioniert hat. Ich spinne jetzt einfach mal rum: Vielleicht sind die Ärgernisse und Hürden die man als Mensch mit einer Behinderung hat auch die Hürden die eine Frau im Outdoorsport hat. Spontan fallen mir folgende Dinge ein:

  • zuwenig Zutrauen in sich selbst und von anderen
  • zu wenig passende Angebote am Markt (Bekleidung, Sportgeräte…)
  • kaum Präsenz in den Köpfen
  • sich ihren Platz in Domänen erkämpfen müssen
  • sich für Entscheidungen rechtfertigen müssen
  • Mitstreiter finden

Die Frauen sind mit ihren Bemühungen allerdings schon deutlich weiter als Menschen mit einer Behinderung. Eigentlich kurios von mir, dass so zu unterteilen, denn Menschen mit einer Behinderung sind auch Frauen und Männer. Allerdings habe ich den Eindruck, dass wir in der Wahrnehmung der Gesellschaft eine große glückliche geschlechtslose Familie sind. Gleiche Kämpfe an anderer Front, wenn man so will.

ACX_3197Dazu kommen Sport, Reisen und Natur als eigenständige Faktoren. Das alles bildet den Charakter und jede Teilnehmerin verfügte über wertvolle Erfahrungen, über Empathie, dem Bewusstsein, dass Diversität wichtig und richtig ist, einem anständigen Rückgrat, Humor, Willenskraft und Bodenhaftung. Das ich dann auch noch die Chance bekam, zusammen mit Jaqueline, vor ihnen zu sprechen war großartig.

Fehlt nur noch das Fazit: Ich habe mich zwischen all den bodenständigen und schnörkellosen Frauen sehr wohlgefühlt. Man lernt viel, auch über sich selbst. Man bekommt neue Impulse und sehr wertvolle Kontakte. Deshalb ist der European Women’s Outdoor Summit ein tolles Format und sollte weitergehen! (Nachtrag: Der EWOS wird 2018 wiederholt. Yeah!)

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Foto: Andrea Gaspar-Klein

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Foto: Andrea Gaspar-Klein

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Foto: Andrea Gaspar-Klein

 

4 Comments on “1. European Women’s Outdoor Summit

  1. Danke, Kerstin!
    Dein Vortrag war ein Highlight auf dem Summit.

    Liebe Grüße, Uta

    • Vielen Dank, liebe Uta! Mir hat es total viel Spaß gemacht, dass Wochenende mit euch zu verbringen. 🙂 Liebe Grüße, Kerstin

  2. Ganz ganz schön geschrieben, Kerstin! Auch dein persönlicher Vortrag war berührend, so inspirierend und schön! Viele liebe Grüße aus München 🙂

    • Danke, Christine! 🙂 Das möchte ich sehr gerne erwidern. Dein Vortrag war klasse und ich war schwer beeindruckt, was du auf die Beine gestellt hast. So einen Hoodie muss ich mir übrigens auch noch organisieren. Die sind toll! 😀 Liebe Grüße aus Hamburg!

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